Die Ansprache des Premier Ministers von Tibet, Herr Samdhong Rinpoche

Verehrtes Publikum der Veranstaltung, Brüder und Schwestern hier im Publikum. Zunächst überbringe ich Ihnen die Grüße seiner Heiligkeit der Dalai Lama, welcher zu diesem Konvent eingeladen wurde. Leider konnte er aus unvermeidbaren Gründen nicht annehmen. Mit Bedauern schickt er seine Grüße zu allen von Ihnen und wünscht dem Kongress ein erfolgreiches Gelingen.

Und jetzt meine bescheidene Grüße an Ihnen alle und ich fühle mich sehr geehrt hier mit Ihnen zusammen sein zu dürfen, um über Tibets kulturelle und spirituellen Reichtum zu sprechen.

Es ist eine großartige Gelegenheit für uns, mit Ihnen ein großartiges kulturelles Erbe zu teilen, welche in den letzen 1.300 Jahren in dem “Land des Schnees“ , welche Tibet heißt , erhalten geblieben ist. Heute ist es aber fast bis zur bittere Neige von der Oberfläche der Erde verschwunden.

Tibet ist das höchste Plateau der Welt es befindet sich zwischen China und Indien, die meist bevölkerten Ländern in Asien. Ihre Grenzen berühren auch Russland, Mongolien, und andere Länder. Es lebten dort Menschen. Entsprechend den aktuellen archäologischen Überresten, ist nachgewiesen, dass bereits vor 30.000 Jahren Menschen auf dem Tibet Plateau lebten. Die Geschichte Tibets ist aber relativ Kurz.

Der erste König von Tibet Nyatri Tsampo, der ein abstammender Prinz von Bengalen war erschien ca. 242 v.Chr. . Ab da begann das Königreich Tibet. Erst im 7. Jhdt. n.Chr. besaß Tibet eine Schrift, Sprache, Kultur, und Spirituelles Erbe. Während dieser Zeit entwickelten die Tibeter diese Sprache, welcher eine abgekürzter Form der Sanskritsprache war und dreißig Konsonanten und vier Laute besaß. Damit konnte man den gesamten Kanon aus Indien und die nahverwandtesten Sprachen und, was immer Ausdruckbar war in diese Sanskritsprache, in der Tibetischer Sprache übersetzen.

Posicion Mapa Tibet

Vom 7. Jhdt. Bis 12. Jhdt gab es bereits viele Übersetzungen von indischen Abhandlungen vom buddhistischen Kanon der Lehren Buddhas, Kommentare von verschiedene indische Gelehrten und ebenso von der weltliche Literatur wie, Ayurveda, Astronomie, und viele andere Themen, welche zu dieser Zeit in Indien verbreitet waren. Alles wurde in der tibetischen Sprache übersetzt. Alles was traditionell war, so auch tibetische Kommentare. So wurde Tibet eine direkte Abstammungslinie der indischen Tradition, besonders die Nalanda, Vikramashila, Takshshila, Uddandapuri und vielen anderen Lehrzentren in Indien. Entsprechend der buddhistischen Tradition, wurden sämtliche. Lehrthemen in fünf Teile klassifiziert, nämlich: Die Wissenschaft der Sprache und der Literatur, welches in Sanskrit “Shabdavidya“ genannt wird. Die Wissenschaft der Logik und des Denkens in der Sanskritsprache, “Hituvidya“ genannt. Die Wissenschaft des Heilens und der Medizin, welches Chikitsavidya genannt wird. Dann haben wir die Kunst, Bildhaukunst, Architektur, in der Sanskritsprache, “Shilpavidya“, genannt. Letztendlich die Wissenschaft der Spiritualität, “Adhyatmavidya“.

Diese fünf Themen umfassen die gesamte Kunst und Wissenschaften, welche von den alten indischen Weisen und Gelehrten gelehrt wurden. Sie wurden übersetzt und dem Land des Schnees übermittelt und blieben bis auf den heutigen Tag erhalten.

Der Reichtum der kulturellen Spiritualität.

Bevor wir über den Reichtum der Kultur und der Spiritualität sprechen, müssen wir erst definieren was wir mit “Kultur“ meinen und was wir mit “Spiritualität“ meinen, weil diese Worte in sehr unterschiedliche Weise benutzt werden definieren wir sie von Anfang an, um mögliche Verwirrungen zu vermeiden oder falsch verstanden zu werden. Das Wort “Kultur“ ist vergleichsweise ein neueres Wort aus der englischen Sprache und enthält viele unterschiedliche Begriffsinhalte. Die westliche Bedeutung “Kultur“ wird für beide, Gut und Böse benutzt. Zum Beispiel spricht man von “Kultur der Gewalt“, “Kultur der Vernichtung“, Kriegskultur usw. In der Tibetische oder indischen Sprache steht Kultur nur für Güte. Wir sprechen nicht von einer Kultur der Gewalt oder Krieg, denn es sind unkultivierte Aktivitäten und unkultivierte Ausdrücke. Der Ausdruck in der Sanskritsprache ist “Sanskritisch“ das bedeutet “Wohl kultiviert“. Darum benutzen wir den Ausdruck “Kultur“ nur für die positive Seite und für das “Gute“. Die Kultivierung des Verstandes in der Spiritualität oder die Reinheit, wenn es ein völlig kultivierter Zustand des Verstandes ist, wird es Kultur genannt. Archarya Narendra, ein großer Gelehrter des 20. Jhdt, definierte Kultur als: “Die Agrikultur auf dem Feld des Verstandes“. Er sagt ganz genau im Sanskrit: “Chittabhumi ki kheti hai“, was bedeutet: “Kultivierung auf dem Acker des Verstandes führt zur Erfüllung des Verstandes“, das ist “Kultur“, und solche Verstande setzen einen Verstandeszustand voraus, welche nicht von negativen Emotionen konditioniert ist und das nennen wir “Kultur“. Von diesen Zustand aus kreiert er seinen Ausdrucksform wie zum Beispiel: Musik, Tanz, Literatur, Poesie, Kunst Architektur usw. Es wird auch Kultur genannt, weil es eine kulturelle Ausdrucksform ist. Der Zustand des Verstandes, welcher kultiviert ist spiegelt sich in der Kreativität und der Schönheit wieder, in der Melodie und in der Friedfertigkeit usw. Das alles gehört zur Kultur.

Provincias del Tibet

Spiritualität bedeutet “Innere Wissenschaft“. Der Mensch ist so konditioniert sich nur die standardisierte Dinge anzuschauen und ist unfähig introspektiv oder in sich selbst, seine eigene Natur, in der Gegenwart zu schauen. Unserer Denkprozess geht immer zu den externen Dingen oder wandert in der Vergangenheit oder Zukunft. Es bleibt nie innen und es konzentriert sich nie in der Gegenwart. Wenn wir ein Geschehnis moralisch durchleben, eine Konzentration des Verstandes, dann erwacht in diesem Zustand ihre innere Weisheit. Wenn ihre innere Weisheit erwacht, die Weisheit in Ihnen, können sie sich selbst sehen, so wie es ist, ohne Ablenkung, in der Gegenwart. Diese Art des Geisteszustandes wird Weisheit genannt, “Pragya“ in Sanskrit und diese Weisheit ist spirituell. Darin liegt der Geist der spirituelle Güte und der Geist der Buddha Natur liegt ebenso in ihr. Der Samen der Buddha Natur, welche alle Empfindenden in sich haben, egal auf welche Basis sie sich befinden mögen, und die Realisierung solch eines Samens, solches Potential von wo aus der Verstandeszustand eines jeden empfindsamen Wesen sich entwickeln kann, kann sich in der Erhöhung der Natur entfalten, in der Natur alles zu kennen, In der Natur erwacht zu sein und unkonditioniert. Das nennt man “Spiritualität“. In der Tat ist Tibet reich an Spiritualität, ins besondere die buddhistische Tradition.

Wie ich schon vorher erwähnte, war Tibet zwischen dem 7. - und dem 12. Jhdt. völlig engagiert, um die buddhistische Tradition aufzunehmen, Den Kanon zu übersetzen, sie zu verbreiten und sie im ganzen Land zu praktizieren. Die Pre-buddhistische spirituelle Tradition in Tibet nannte man Bon, Bonismus. Es hielt sich lange in Tibet, aber es wurde von Mund zu Mund weitergegeben und es gab keine Literatur darüber. Deswegen, nachdem der Buddhismus in Tibet eingeführt wurde, hatte der Bonismus einen bestimmten Einfluss auf die Buddhistische Literatur und heute haben wir ein Bonsche Linie, welche sich philosophisch und spirituell vom Buddhismus schwer unterscheiden lässt. Tibet ist ziemlich von der Dichte der Bevölkerungsmenge verschont und war immer mit den Lebensnotwendigkeiten genügsam. Die ganze Nation formte eine innere Energie für die Entwicklung seiner Spiritualität und Kultur. Die Tibetische Kultur, welche ursprünglich eine indisch-buddhistische Kultur ist, nicht beschmutzt oder beeinflusst von irgendwelchen Neo-buddhistische Kulturen oder kulturellen Ausdrucksformen

Tibet - Potala

Eine unvermischte buddhistische Kultur verblieb in Tibet, welche zahllos in der Kunst und der Literatur zum Ausdruck kommt. Ich denke, dass Tibet, was die spirituellen Kanons, buddhistische Literatur betrifft am reichsten war. Tibet hat eine kurze kulturelle und buddhistische Geschichte, wie ich schon sagte, Max 1300 Jahren und schon immer eine niedrige Population von nicht mehr als 6 Millionen Menschen, produzierte aber die höchste Anzahl an Literatur, welche weder in China oder Indien in ihre 5000 Jahren Geschichte erreicht hat.

Auch wenn wir die Menge an Literatur, von China und Indien mit Tibet vergleichen, ist die Menge an Literatur keineswegs weniger als die, welche die heutige indische oder chinesische Literatur zur Verfügung hat. Das bedeutet, das Tibet die reichhaltigste Akkumulation an kulturellem Erbe aus Indien hat. Natürlich haben wir auch gewisse Beiträge aus China, aber Chinas Beitrag war in Form von Nahrungszubereitung, weben von Kleidung, oder für einen gewissen Bereich in der Landwirtschaft. Abseits davon, ist die Gesamtheit des spirituellen Erbes, die Religion, Philosophie, Heilverfahren, Astrologie, Kunst und Skulptur, ein Erbe des buddhistischen Indien. Heute sieht man viele Instrumente, wie die, welche sie heute Morgen in den musikalischen Beitrag gesehen haben. Sie sind ein Erbe Takshashila, Nalanda oder Vikramashila, Uddandapuri usw. usw. Das findet man heute in Indien nicht mehr, ist aber in Tibet völlig erhalten geblieben. Die “Butter Schnitzkunst“, die Bildergestaltung, Die Thangka Malerei, all das basiert auf die Sanskrit Literatur, welches “Chitra Rachana“ heißt und die Wissenschaft der Kunst genannt wird. Das original ist verloren gegangen in Indien, aber ihre Übersetzung in der tibetischen Version ist immer noch in Tibet erhalten. Alle diese Thangka Malereien, Butter Skulpturen, Bild Skulpturen, Mandalas, die farbigen Sand Mandalas, welche völlig aus Indien verschwanden, sind immer noch unverändert in Tibet erhalten, ohne Abweichungen, völlig im Einklang mit den Spezifikationen der Abhandlungen und Originaltexte und immer noch verfügbar. Die Abstammung, die mündliche Weitergabe, und die Demonstration des aktuellen Traumes sind alle noch in Tibet erhalten. Darum hat Tibet ein sehr reiches kulturelles und spirituelles Erbe, welche sehr relevant ist für das Wohl der Menschheit eben in diesem 21. Jhdt.

Tibet

Es muss erhalten und geschützt bleiben. Die Menschheit kann es sich nicht leisten diese spirituelle Zivilisation zu verlieren. Es ist ein indisches Erbe, in Tibet erhalten und die essentielle Einheit des gesamten spirituellen Erben ist Liebe und Erbarmen und der ganze Buddhismus basiert auf liebe, Erbarmen und Gewaltlosigkeit. Ich denke, dass diese Kultur, diese Spiritualität mehr denn je benötigt wird, mehr als es die Redner vorher so reichlich hervorgebracht haben, was die Probleme der Menschheit angeht.

Nach meiner Ansicht gibt es heute eine gewaltige Herausforderung für alle Lebewesen auf diese Erde. Die Steigerung der Gewalt in vielen verschiedenen Formen von Krieg, Terror, strukturierter Gewalt, Die Art der Ausbeutung usw. Keiner ist nirgendwo mehr sicher. Ich denke, dass das eine große Herausforderung ist für die gesamte Menschheit. Eine zweite Herausforderung ist die Entartung der Umwelt und das Ungleichgewicht im Ökosystem, die globale Erwärmung, die Grundnotwendigkeit des Atmens, Wasser zu trinken, alles ist verschmutzt und kontaminiert. Es ist schwierig sauberes Wasser zu finden, um zu trinken. Die Degenerierung der Umwelt ist auch eine weitere Herausforderung. Das ökonomische Ungleichgewicht, der Missbrauch von Ressourcen und die aktuelle ökonomische Rezession, ist ebenso eine Herausforderung. Letztendlich haben wir die Quelle der Rettung aller Lebewesen und das sind die Religionen. Hier sprechen wir von religiöse Intoleranz und Zivilisationskonflikte. Die Quelle des Glücks hat sich auch in eine Quelle des Konflikts und Gewalt verwandelt. Wir werden alle diese Herausforderungen konfrontieren müssen. Der einzige Weg, ist das spirituelle Erbe, das Erbe der Liebe und des Erbarmens. Das Erbe eines lebendigen Systems, welche hilft andere leben zu lassen. In der gesamten Menschheit gibt es entsprechend den Ansichten des Buddhismus, drei verschiedene Arten zu leben. Die erste Art zu leben ist: “Leben auf Kosten der anderen“. Die Mehrheit der Menschheit lebt auf diese Weise, auf Kosten des anderen, auf der Basis der Ausbeutung, durch Missbrauch des Anteils des anderen. Ein Großteil der Menschheit lebt so. Das ist kein Leben. Jeder Augenblick ist ein Tod, aber diese Menschen haben es so gewählt. Ein anderer Weg zu leben ist: “Leben und Leben lassen“. Wenn wir das tun können, dann würde die Welt ein besserer Ort werden. Und letztendlich, die Voraussetzung eines lebenden Systems, eine menschliche Lebensweise und das ist: “Leben um andere zu dienen“. Das Ziel des menschlichen Lebens ist nicht andere leben zu lassen. Das ziel des menschlichen Lebens ist andere zu dienen, zugunsten des anderen und das kann nur funktionieren, wenn Sie einen mitfühlenden Verstand haben, einen liebenden Verstand. Das ist es, was gebraucht wird, die Essenz der menschlichen Werte. Dieser Kongress wird die menschlichen Werte überdenken und im buddhistischen Sinne für das Wohl der anderen arbeiten, was ein Beitrag für die Zukunft der Menschheit ist. Ich bin Ihnen noch einmal sehr dankbar, dass Sie mir die Gelegenheit gegeben haben, meine Gedanken mit Ihnen zu teilen.

Danke sehr!

Die Menschheit kann es sich nicht leisten ihre spirituelle Zivilisation zu verlieren. Es ist ein spirituelles Erbe von Indien, in Tibet erhalten und ist die essentielle Einheit des spirituellen Erbe, welches Liebe und Erbarmen ist, und der gesamte Buddhismus ist auf diese Liebe, Mitgefühl und Gewaltlosigkeit aufgebaut. Und ich denke, das Kultur, dass Spiritualität heute mehr denn je notwendiger ist als die Redner es so reichlich hervorgebracht haben mit der Schilderung der Probleme der heutigen Menschheit.

Tibet - Monjes Tibetanos